Kaschmirziegen

Der Begriff Kaschmirziege bezeichnet keine spezielle Rasse, sondern einen Phänotyp der Hausziege mit etwa 20 verschiedenen Untertypen, welche alle eine lange feine Unterwolle besitzen. Die Kaschmirziegen stammen ursprünglich aus dem zentralasiatischen Hochland. Heute findet man sie auf allen Kontinenten. Am zahlreichsten sind sie immer noch in Zentralasien. Australien hat grössere Bestände. In den USA, Afrika und Europa sind es meistens nur kleinere Herden. 

Kaschmirziegen werden wegen der Unterwolle gehalten. Sehr gute Ziegen produzieren Unterwolle zwischen 12 – 15µ und einer durchschnittlichen Länge von 3.8cm oder mehr. Der internationale Standard für Kaschmir erlaubt einen Durchmesser der Ziegenhaare bis zu 18.5µ. Die Ziegen liefern zwischen 200g und 400g Rohwolle. Davon  bleiben je nach Qualität der Wolle zwischen 100g bis 250 g übrig. 

Die Unterwolle wird ausgekämmt. Nur in wenigen Ländern werden die Tiere teilweise auch geschoren. Dies führt zu einem grösseren Verlust von wertvollem Kaschmir. 

Ziegen produzieren im Gegensatz zu den Schafen kein Wollwachs (Lanolin). Vielleicht mögen sie es deshalb gerne trocken und meiden die Nässe. 

Sedelberg ©2011, Michèle Krapf

Merkmale

Die weiblichen Kaschmirziegen werden bis 60 cm gross und 40 – 50 Kg schwer. Die Böcke erreichen eine Schulterhöhe bis 65 cm und ein Gewicht bis 70 Kilogramm. Die Ziegen tragen Hörner, welche vor allem bei ausgewachsenen Böcken imposant aussehen können. Die meisten haben Schlappohren.

Kaschmirziegen können weiss, grau, hell- bis dunkelbraun, schwarz oder gemischtfarbig sein.

Erwünscht ist ein 10 – 15cm langes Deckhaar, welches die Unterwolle gut schützt. Und eine Unterwolle von 3 – 6 cm Länge. Unsere englisch-stämmigen Ziegen zeigen dieses Grannenhaar sehr schön. Unsere russische-stämmigen Ziegen dagegen entwickeln im Winter ein sehr dichtes, stark gekraustes Wollkleid, welches die Deckhaare erst mit dem Sommerfell wieder zum Vorschein kommen lässt. Sie sind deshalb viel aufwändiger zu kämmen, aber geben auch etwas mehr Wolle.

Gilbert & George: The Devon boys
Mei Ping ©2009, Edi Day

Verhalten

Kaschmirziegen sind sensible und intelligente Herdentiere mit Familiensinn. Das zeigt sich auch daran, dass Geschwister und Mütter oft nebeneinander fressen und liegen, auch wenn bereits wieder neue Kitze geboren sind. Verwilderte Ziegen leben meistens in Gruppen bis zu 20 Tieren.

Kaschmirziegen haben eine strenge Rangordnung. Wie andere Ziegen regeln sie die Rangordnung durch Kämpfe. Meist sind das kurze, heftige Rangeleien. Diese kann man auch beobachten, wenn die Rangordnung klar ist. Böcke, die sich konkurrenzieren können allerdings stundenlang kämpfen. Ziegen sind futterneidig. Rangniedrige Tiere müssen besonders beim Fressen eine gewisse Distanz zu ranghöheren Ziegen einhalten, ansonsten diese aggressiv reagieren.

Die Ziegen haben einen ausgeprägten Bewegungsdrang. Sie klettern und springen gern und bevorzugen erhöhte Liegeplätze.

Kaschmirziegen sind neugierig. Sie verhalten sich gegenüber dem Menschen im Vergleich zu anderen Ziegenrassen jedoch eher scheu und zurückhaltend. Sie kommen zwar gerne auf Menschen zu und fressen aus der Hand. Aber sie eignen sich nicht als Streicheltiere.

Kaschmirziegen im Tierpark Arth Goldau
©2010, Edi Day

Haltung

Die Haltung der Ziegen sollte dem ausgeprägten Bewegungsdrang Rechnung tragen. Einzeltier- oder Anbindehaltung widersprechen den Bedürfnissen der Ziegen und sind in keiner Art und Weise artgerecht.

Kaschmirziegen mögen keine Nässe. Sie stammen ursprünglich aus dem trockenen zentralasiatischen Hochland. In unseren Regionen benötigen Kaschmirziegen zumindest einen Unterstand, der gegen die Nässe schützt und genügend Raum auch für rangniedrige Tiere bietet.

Diese Webseiten beschreiben artgerechte Haltungsbedingungen für Ziegen:

Diese Publikationen enthalten wertvolle Tipps für Gestaltungsmöglichkeiten von Ställen und wie der Stress in Laufställen zu reduziert werden kann.

Bitzi 2010 - Colly und Gilbert - Freigang ist auch im Winter wichtig
Bitzi 2010 Erhöhte Liegeplätze und Bewegung im Stall
Bitzi: Turnen ist gesund



Valcash

Walliser Schwarzhalsziegen mit Kaschmirziegen kreuzen!

Es war einmal…..

Anno 2006 hatte Walter, damals noch Wasserbauingenieur im Dienste der UNO Welternährungsbe­hör­de FAO in Rom, die Gelegenheit, auf der Fafleralp im Lötschental/Wallis eine Alp(Alm)hütte mit Alp­rech­­ten zu kaufen.

Dieser Kauf hätte ihm ermöglicht, seinen Kindheitstraum von einer Ziegenherde zu verwirk­lichen. Also kaufte er sich 5 Walliser Schwarzhalsziegen, um eine kleine Herde aufzubauen, und durch deren Beweidung der Lötschentaler Hochalpen zur Eindämmung der fortschreitenden Vergandung der Alpen (Almen) beizutragen.

Inzwischen ist Walter pensioniert, arbeitet jedoch weiterhin als beratender Ingenieur für Entwicklungsbanken und –behörden. Und obwohl sich der Kauf der Alphütte letzten Endes nicht realisieren ließ, hat er immer noch Ziegen, allerdings eine ganz spezielle Art – “ValCash” Ziegen.

Versuch einer Rechtfertigung

Textilien aus Kaschmir’wolle’ haben eine lange Tradition. Ihr Ursprung ist Srinagar im Kaschmirtal in Jammu & Kaschmir/Nordindien, wo bis Ende des letzten Jahrtausends über 20 000 Weber die Unterwolle von Gazellen (Chiru) und Ziegen (capra hircus) aus Tibet zu feinsten Stoffen gewoben haben. Heute leben nur noch wenige Semi-Nomaden(Chang-pa) mit ihren “Kaschmir”ziegen in Ladakh ca 200 km östlich von Srinagar auf 4 000 – 5 000 m Höhe, produzieren jedoch unter extrem harten Lebensbedingungen für Mensch und Tier Kaschmir’wolle’ bester Qualität. Die Chang-pa verkaufen diese ‘Rohwolle’ an Mittelsmänner, die sie wiederum vor­wiegend nach Srinagar zum Reinigen und Weben zum aktuellen Marktpreis weiterver­kaufen, oder an die ‘All Changthang Pashmina Growers Cooperative’ in Leh gegen einen festgesetzten Preis abge­ben. In beiden Fällen verdienen die Produzenten der Kaschmir’wolle’, die Chang-pa, nur einen Bruchteil des Gesamtpreises zum Beispiel eines Kaschmirschals.

Mit der Kreuzung von Walliser Schwarzhals- und schottischen Kachmirziegen und der Ansiedlung der ‘Mischlinge’ (= Valcash) am Rande des UNESCO Weltnaturerbes “Schweizer Alpen”, möchte Walter auf der einen Seite die Eignung der Walliser Schwarzhalsziegenrasse als Basis (Grundstock) zur Erzeugung von Kaschmir’wolle’ testen, zum anderen durch Verkauf von in Ladakh nachhaltig hergestellten, absolut natur­belassenen Kaschmirschals den monetären Anteil der Chang-pa an der Wertschöpfungskette erhöhen. Da­durch besteht die Möglichkeit, Touristen des UNESCO Weltnaturerbes bezüglich einer umweltschonen­den Kaschmirproduktion zu sensibilisieren (und damit eine Alternative beziehungsweise Kaufhilfe für Textilien aus Kaschmirwolle anzubieten), und gleichzeitig den Lebensstandard der kaschmirproduzierenden Chang-pa durch Verbesserung und Vermarktung ihrer Produkte zu erhöhen.

Gegenwärtige Situation

Nach einer langen Durststrecke, begleitet von Enttäuschungen – Todesfälle durch Krankheiten, Inakzeptanz des Kaschmirbocks durch die Schwarzhalsziegen, Absturz während der Sömmerung und Stall- sowie Betreuungsproblemen – ist seit 2014 die ganze inzwischen auf 20 Ziegen angewachsene Herde bei optimaler Betreuung in St. Niklaus im Wallis untergebracht; im Sommer auf der Jungen Alp und im Winter im Mattervispa Tal. Eine Haaranalyse der ersten ValCash-Generation ist vielversprechend (Haardurchmesser zwischen 12.6 und 14.4 Tausendstel eines Millimeters, jedoch bei noch geringem ‘Woll’ertrag von 100g bis 150g pro Ziege).

Verkauf

CVerkaufsangebote von Ziegen der ‘Alpine Cashmere Association’ – Mitglieder

Liebe ACA-Mitglieder, um Inserate aufzugeben, zu ändern oder zu löschen, sendet ihr bitte eine e-Mail mit eurer Anfrage an info@alpine-cashmere.ch

Zuchtböcke

auf Anfrage
ab 1200
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  • Cashmere Garden, 9642 Ebnat-Kappel