Cashmere Day im Tierpark Goldau

am 20. Mai 2012

Der Tierpark Goldau und die Alpine Cashmere Association gemeinsam den Cashmere Day veranstaltet. Die Absicht war den Besuchern des Tierparks näherzubringen, welch edle Produkte von Kaschmirziegen entstehen. Die Besucher erlebten an diesem Sonntag die eher scheuen Kaschmirziegen hautnah.

Die ganze Ziegenfamilie war da vereint. Die Mütter, welche Halbschwestern sind und von Mei Ping abstammen, ihre Jungtiere und deren Vater, Mr. 301. Der ist mittlerweile zu einer kleinen Berühmtheit geworden. Sogar die NZZ hat über ihn geschrieben.

Am morgen sind wir mit den Kaschmirziegen zur Horde beim Kinderspielplatz spaziert. Da die Ziegen ihr Gehege selten verlassen, mussten wir sie überzeugen mit uns zu kommen. Nicht so Mr. 301. Der spaziert gemütlich neben Martin, seinem Tierpfleger und scheint sich auf die Abwechslung zu freuen.

Peter hat sich überzeugen können, dass im Tierpark auch die Hausschweine ein gutes Leben haben.

Kämmen

Kämmen der Kaschmirziegen

Kaschmir kommt von den Kaschmirziegen. Es ist die feine Unterwolle, die die Ziegen vor der Kälte im Winter schützt. Einmal im Jahr, jeweils im Frühling, kann die Unterwolle herausgekämmt werden. In der Mongolei, in Europa und in anderen asiatischen Ländern wird gekämmt. In Australien werden viele Tiere geschoren. Kämmen dauert natürlich viel länger als scheren. Gekämmte Rohwolle ist besser verwertbar, da es weniger Ausschuss beim Entgrannen gibt. Grannenhaare sind die langen, dickeren Deckhaare. Diese kratzen auf der Haut, wenn sie noch in der Wolle der Pullover und Socken drinstecken. Deshalb werden die Grannenhaare aussortiert. Diesen Vorgang nennt man entgrannen.

Die feine Rohwolle von Mr. 301

Zuerst kommt Mr. 301 dran. Unter den kritischen Augen von Stephan (Präsident der Alpine Cashmere Association), Katharina und Walter kämmen Beni und Cecile den Kaschmirziegenbock. Er ist sehr geduldig und wir geben uns alle Mühe nicht zu rupfen.

Mr. 301 hat einen durchschnittlichem Haardurchmesser der Unterwolle von 13 Micron. Mit diesem feinen Wert gehört Mr. 301 zu den weltbesten Kaschmir-Zuchtböcken.

Ein Micron ist das Tausendstel eines Millimeters oder das Millionstel eines Meters. Der westeuropäische Mensch hat im Durchschnitt einen Durchmesser um die 60 Micron.

Das weichste Gold der Welt ist kostbar.
Es ist nur in beschränkter Menge vorhanden.

Einmal streicheln bitte

und anfühlen wie weich und kuschelig das Fell der Jungtiere ist.

Die Jungen nützen’s aus

Wenn die Mütter im Kämmstand sind bedienen sich die Jungtiere an der Milchbar.

Auch wenn’s manchmal etwas eng wird unter dem Mutterbauch.

Spinnen

Spinnerinnen

Stephan liess es sich nicht nehmen, die Spinnerinnen persönlich am Tor des Tierparks abzuholen und zu den Ständen zu bringen.

Vorbereiten: Waschen – Entgrannen – Kardieren

Das gekämmte Haar wird auch als Rohwolle bezeichnet. Bevor die Rohwolle verarbeitet werden darf, muss sie gewaschen werden. Das Waschen ist heikel. Die Rohwolle verfilzt leicht. Wenn das beim Waschen passiert, wird die Wolle fürs Spinnen unbrauchbar. Eventuell kann sie dann noch zur Herstellung von Filz verwendet werden.

Der zweite Durchgang ist das Entgrannen. Von Hand is das eine riesige und sehr zeitraubende Arbeit. Das manuelle Verfahren taugt deshalb nur für eine winzige Menge. Schon bei einer ganzen Ziege übersteigt es meistens alle vorhandenen Kapazitäten.

Sobald das Kaschmir entgrannt ist, wird es kardiert, so dass die Haare dann alle in eine Richtung zeigen. Es entsteht das sogenannte Kardenband, das dann von den Spinnerinnen verarbeitet wird.

Spinnen

Die Haare im Kardenband halten durch ihre Welligkeit (engl. curvature) besser zusammen. Das ist entscheidend, wenn ein feiner Faden gesponnen werden soll. Aus diesem Grund wird bei den Ziegen jeweils nicht nur der Durchmesser, sondern auch die Welligkeit untersucht.

Weben

Die Kunst des Webens

“Beim Weben ist man streng an zwei Ebenen gebunden – an die Vertikale und an die Horizontale. In dieser spartanischen Ordnung immer wieder etwas Neues einfallen lassen – das ist die eigentliche Kunst meines Handwerks. So einfach, so schön und so ehrlich wir möglich.” Das steht auf der Homepage von Karola Kauffmann.

Wer die wunderschönen Kleider am Bügel hängen sieht, versteht die Künstlerin: “Ich riskiere unkonventionelle Wege und mache daraus tragbare Stoffe.” Es bleibt nicht nur bei den Stoffen, daraus werden Kleider, die das Besondere ausstrahlen.

Ausstellung

Kardenband und Wolle

Kaschmirziegen werden wegen der feinen Wolle gezüchtet. Zum ersten Mal und als echte Rarität wurde auf dem Markt Kaschmir von Kaschmirziegen aus dem Toggenburg angeboten. Der Cashmere-Garden hatte Kardenband für Spinnerinnen und fertig versponnenes Strickgarn in seinem Angebot.

Da heimisches Kaschmir vorderhand noch rar bleibt, müssen SpinnerInnen und StrickerInnen Kaschmirwolle aus anderen Ländern, meistens Indien oder China (die graue Kone auf dem Foto) beziehen.

Schals aus der Region Ladakh und Kaschmir

Walter Klemm, Wasseringenieur der für die FAO und Weltbank oft in der Region Ladakh und im Gebiet des Pamir unterwegs war, hat Schals von seinen Reisen mitgebracht, die von den Changpa-Nomaden aus Wolle ihrer Kaschmirziegen gemacht wurden. Die Wolle dieser Schals ist von allerbester Qualität.

Walter hat nicht nur die Schals, sondern auch Fotos und Informationsmaterial mitgebracht. Er ist ein spannender Erzähler und weiss viel zu berichten.

Felle, Leder, Pergament und Horn

Die Felle von Kaschmirziegen sind weich und kuschelig, besonders wenn sie von jungen Tieren stammen.

Ziegenleder wie auch die Felle von Kaschmirziegen können genauso wie jene von anderen Ziegen für vielerlei Produkte verwendet werden, zum Beispiel für Taschen, Handschuhe, Mützen, Gürtel und Kleider.

Seife, Shampoo und Lotion

Nicht Esels- sondern Kaschmirziegenmilch ist die wichtigste Ingredienz der kosmetischen Produkte die Somea herstellt und der Tierpark anbietet. Die Seifen in Form kleiner Ziegen sind herzlige Mitbringsel.

Milch, Käse, Würste und Mostbröckli

Andrea, die den Hof von Stephan nach den Demeter-Grundsätzen bewirtschaftet, hat eine abgeschlossene Ausbildung als Käserin gemacht. Sie sucht das Besondere und hat lange getüftelt, bis sie aus der von ihr selbst gemolkenen Milch der Kaschmirziegen feine Kaschmirziegenmilch-Käsesorten hervorgebracht hat. Der Frischkäse mit etwas Olivenöl und Kräuter schmeckt hervorragend und der Hartkäse ist eine absolute Rarität.

Andrea liegt viel daran gesunde Produkte herzustellen. So sind die Würste und Mostbröckli ohne Pökelsalz und E-Stoffe hergestellt. Die Besucher konnten sich vom feinen Geschmack selbst überzeugen. Zu den Versucherlis hat sie selbstgebackenes Brot mit ganz wenig Salz angeboten, damit das Brot den Geschmack der Käse und Würste nicht übertönt.

Nach Hause

Mr. 301 geht nach Hause

Mr. 301 bewohnt ein Gehege zusammen mit einem Zwergziegenbock gleich neben den Bartgeiern. Beni spaziert mit Mr. 301 zurück, der sich zuerst nicht sicher ist, ob er seine Ziegen schon wieder verlassen will. Mr. 301 zögert noch und blickt noch einmal zurück. Dann hat ihm Beni erklärt, dass es nun wieder zu seinem Freund geht. Die beiden Ziegenböcke haben sich nämlich angefreundet und begrüssen sich beim Wiedersehen freudig.

Die Ziegen gehen nach Hause

Wir hatten befürchtet, dass die scheuen Ziegen Stressreaktionen und Angst zeigen, wenn die Besucher nun plötzlich so hautnah sind. Aber die Kaschmirziegen haben sich in der Horde rasch wohlgefühlt. Den Jungtieren hat es so gut gefallen, dass einige von ihnen in der Horde geblieben sind, nachdem wir mit den Mutterziegen Richtung Gehege spaziert sind.

Wer isch z'erscht?
Wieder daheim.
Es war ganz interessant, diese Besucher einmal aus der Nähe zu betrachten.
Wir könnten eigentlich Bremer Stadtmusikanten spielen.

Zu guter Letzt